Ulfs Blog

2.11.2017, 15:30

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Wer immer noch meint, der Westen wäre dem Rest Welt in irgendeiner Weise moralisch überlegen, der sollte sich den Buchausschnitt von Emran Feroz auf Telepolis durchlesen.

Es ist eine Sache, wie das Pentagon und im Anhang auch die NATO im Nachhinein Zivilisten zu Taliban/Terroristen/Kombatanten macht. Die dauerhafte Leugnung dient der Vertuschung der eigenen Kriegsverbrechen, die es natürlich nicht geben darf, denn den »Guten« unterlaufen keine Fehler. Parallel heute erschien auf Telepolis die Meldung durch Florian Rötzer, dass sich diese Propaganda in Zukunft noch verstärken wird.

Die andere Sache ist die komplette Ungleichbehandlung der Opfer in den Medien. Dies wird auch gerade in diesen Tagen deutlich: Wie Rötzer schreibt wurden vorgestern neun Menschen bei einem Anschlag in Kabul getötet. Dies war den Medien bestenfalls vier Sätze Wert. Die Drohnenmorde der USA in Afghanistan werden praktisch gar nicht gemeldet. Der Anschlag in New York am selben Tag war dagegen ein großer Aufmacher. Wenn auch ohne Sondersendung – schließlich war eine Deutsche nur verletzt, aber nicht tot.

Bei dieser Diskrepanz zwischen aufklärerischem Anspruch und tatsächlicher Ungleichbehandlung der Menschen ist es natürlich vorhersehbar, dass sich an der Drohnenmordpraxis nichts ändern wird. Ohne Aufklärung kann es keinen größeren Druck durch die Zvilgesellschaft geben. Statt die herrschende Macht zu korrigieren, wird diese durch die Presse geschützt, indem behauptet wird, Russland habe mit ein paar Hunderttausend Dollar im Angesicht der Milliarden der Super-PACs die amerikanische Präsidentschaftswahl beeinflusst. Die Behauptung ist lächerlich, aber die immer wiederkehrenden Nachrichten dazu verdrängen (und sollen dies auch) die bittere Realität – siehe Drohnenmorde in Afghanistan.