Ulfs Blog

Die IG Metall ist keine Gewerkschaft
7.2.2018, 19:30

Die IG Metall ist keine Gewerkschaft

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Gestern wurde der Tarifabschluss der IG Metall mit den Arbeitgebern im Südwesten bekanntgegeben. Ganz offensichtlich hat man bei der IG Metall, wie auch in den Medien, vergessen, darauf hinzuweisen, dass die 4,3% Lohnerhöhung mitnichten mit den üblichen Zahlen zur Inflation oder zum Wirtschaftswachstum zu vergleichen ist.

Inflation und Wirtschaftswachstum (was immer real, also abzüglich der Preissteigerung angegeben wird) beziehen sich immer auf ein Jahr – also 12 Monate. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags ist aber 27 Monate (schon ohne drei Monate Verzögerung durch die Verhandlungen). André Tautenhahn hat allein die angegebene Lohnsteigerung genommen und kommt auf nominal 1,9%.

1+4,3% 1227 =1+1,889…%

Ich hatte letztes Jahr beim Abschluss der IG BCE über diese Verfälschung geschrieben. Natürlich wollen die Medien die Lohnerhöhung übertreiben, damit die Arbeiter zufrieden bleiben.

Heiner Flassbeck und Michael Paetz kommen auf Makroskop (via Nachdenkseiten) mit den Einmal- und Zusatzzahlungen auf 3,17% jährliche Steigerung. Dies sind nominale Zuwächse, davon muss man noch die Inflationsrate abziehen. 2017 lag diese bei 1,8% und 2018 wird sie mit 1,6% prophezeit. Heraus kommen also ca. 1,5% reale Lohnzuwächse. Die kann man dann mit dem Wirtschaftswachstum für 2017 von (kalenderbereinigt) 2,5% vergleichen (strenggenommen wird für das Bruttoinlandsprodukt eine andere Preissteigerungsrate verwendet). Das also ist das Ergebnis der großen IG Metall.

Dies wird aber dort praktisch nicht kommuniziert. Die Funktionäre verhandeln irgendein Ergebnis, von dem sie selbst kaum betroffen sein werden (man denke nur an die Bezüge der Betriebsräte bei VW und den Aufsichtsratspöstchen). Hernach wird der Kotau vor den Unternehmen durch eine lange Laufzeit schön gerechnet. Eine Organisation, die ihren Mitgliedern diesen Tarifabschluss nicht wie oben erklärt, sondern wegen 4,3% von einem guten Ergebnis spricht, belügt die Arbeiter.

Und würde eine Gewerkschaft ihre Arbeiter belügen? Nein, denn sie ist ihre Interessenvertretung. Von den Medien ist man nichts anderes gewohnt. Das die Unternehmer bei Lohnsteigerungen meckern, gehört zu ihrem Geschäft. Aber die IG Metall ist definitiv keine Arbeitervertretung. Man könnte von einer Tarnorganistation der Metallunternehmen sprechen. Es geht dabei – wie gesagt – nicht um das schlechte Ergebnis, sondern darum, dass es nicht erklärt wird.