Ulfs Blog

31.1.2019, 18:00

Fauler Kompromiss

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Vor fast einer Woche wurde der Kohlekompromiss öffentlich. Seitdem gab es ein paar Artikel in den Medien – wie z. B. in der HAZ, bei der Tagesschau und auf Telepolis. Das einzig Verbindliche, was ich herauslesen kann, sind folgende Eckwerte:

  • Bis 2022 werden insgesamt 12,5 GW Leistung von Kohlekraftwerken – mindestens 3 GW Braunkohle – vom Netz genommen.
  • Bis 2030 dürfen nur noch 17 GW Leistung von Kohlekraftwerken installiert sein (»mehr als halbiert«).
  • Spätestens im Jahre 2039 (»bis Ende 2038…«) sollen alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.
  • Dazu fließt noch Geld.

Die genannten Zahlen bedürfen einer Interpretation. Was wenige wissen: Es gibt eine installierte Bruttoleistung und eine installierte Nettoleistung. Der Unterschied besteht im Eigenverbrauch der Kraftwerke, der z. B. 6,5% der Bruttoleistung beträgt. Das bei den Zahlen oben auch Bruttowerte gemeint sind, kann man nur vermuten.

Wie die Zahlenwerte (12,5 GW, 3 GW und 17 GW) einzuschätzen sind, erschließt sich auch nicht. Auf einer Seite von Fraunhofer ISE findet man für 2018 die Werte 21,2 GW für Braunkohle und 24,18 GW für Steinkohle. Vermutlich ist auch hier die Bruttoleistung gemeint, was zumindest irreführend im Vergleich mit regenerativen Energiequellen ist, bei denen Brutto- und Nettoleistung identisch sind. Auf der Seite des Bundesumweltministeriums findet man ähnliche Zahlen für 2017 (aber für Anlagen ab 10 MW).

Der Unterschied zwischen 2017 und 2018 zeigt schon, dass beim ersten Punkt bzgl. der 12,5 GW das Bezugsjahr fehlt. Nimmt man das Jahr 2018, dann ergibt sich also für 2022 eine restliche installierte Bruttoleistung von 32,9 GW und im Jahre 2030 von 17 GW (»mehr als halbiert«!). Was sagt das aus?

Nun – nichts. Die installierte Leistung ist nicht fürs CO₂ verantwortlich, sondern die verbrannte Kohle. Die installierte Leistung gibt quasi das Maximum der verbrannten Kohle vor. Dieses Maximum wird in zwei Stufen reduziert und verschwindet dann spätestens 2039. Über die tatsächlich noch zu verbrennende Kohle sagt dies überhaupt nichts aus. Im schlechtesten Falle wird das Maximum komplett ausgenutzt.

Es wäre aber fürs Klima wichtig zu wissen, wieviel CO₂ durch Kohlekraftwerke noch in die Atmosphäre ausgestoßen werden. Vor allem hätte man dafür jährlich(!) sinkende Vorgaben machen müssen – sozusagen verbindliche Restverschmutzungswerte. Damit wäre auch planbar gewesen, was andere Verschmutzer (z. B. Landwirtschaft und Verkehr) zum Sinken des CO₂-Ausstoßes beitragen müssten, um die international eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen bzw. um die anvisierten Klimaziele zu erreichen.

Wichtiger in der heutigen Politik- und Medienlandschaft waren aber Jahreszahlen. Die Jahreszahl wurde dann besonders prominent platziert, obwohl sie auch noch geschönt ist (»bis Ende 2038…«). Für viele Teilnehmer dürfte sowieso wichtiger gewesen sein, wieviel Geld zu verteilen ist, und was sie ihren Puppenspielern davon zuschanzen werden können.