Ulfs Blog

9.2.2019, 11:30

Manjaro

Ulfs Blog

Die folgende Anleitung dient der Installation des Linux-Betriebssystems Manjaro in einer virtuellen Maschine von VirtualBox. Manchmal reicht das Windows Subsystem for Linux nicht aus – insbesondere, wenn man Clientsoftware entwickeln soll, die eine veraltete Javaversion benötigt, die man nicht unbedingt auf dem Produktivrechner installiert haben möchte. Eine virtuelle Maschine ist auch eine feine Sache, wenn man Software hat, die überhaupt nicht mit Bildschirmen mit hoher Pixelauflösung (PPI) zurechtkommt, weil die Virtualisierungssoftware (hier VirtualBox, aber auch VMware) in der Lage ist, einen kleinen Monitor zu simulieren und diesen dann groß zu skalieren.

Diese Anleitung ist im Kern über ein halbes Jahr alt. Ich brauchte etwas Zeit, um die virtuelle Maschine richtig einzurichten. In der Zwischenzeit ist eine neue Version von Manjaro erschienen, bei der die Installation vermutlich ähnlich abläuft, aber evtl. anders aussieht.

Einrichtung der virtuellen Maschine

  1. Im VirtualBox Manager auf das Icon Neu klicken.
    Icon Neu
  2. Name eingeben, Betriebssystem einstellen (Linux und Arch Linux (64-bit)) und die Speichergröße (RAM) auf z. B. 2048MB setzen. Anschließend auf Erzeugen klicken.
    Name, Betriebssystem und Speichergröße
  3. Beim Dateipfad wird der Name übernommen. Die Größe der dynamisch allozierten Festplattendatei kann man auf z. B. 32GB setzen. Anschließend auf Erzeugen klicken.
    Festplattengröße
  4. Die ausgeschaltete VM sollte jetzt gelistet werden. Mit der rechten Maustaste kommt man über Ändern… zu den Einstellungen.
    Ändern der VM

    1. Dort sollte unter Anzeige der Grafikspeicher auf 128MB gesetzt werden, um HiDPI-Bildschirme zu unterstützen. Außerdem kann die 3D-Beschleunigung aktiviert werden.
      Grafikkarteneinstellungen
    2. Unter Netzwerk sollte dann der Adapter 1 geändert werden. Statt an ein NAT, sollte die VM an eine Netzwerkbrücke angeschlossen werden. Dies ermöglicht den einfachen Aufruf von Serversoftware in der VM vom Gastgeber.
      Netzwerkeinstellungen
    3. Unter Gemeinsame Ordner auf das Symbol zum Hinzufügen klicken.
      Neuer gemeinsamer Ordner Im folgendem Dialog den Pfad im Rechner und den Namen in der VM eingeben. Das automatische Einbinden entbindet uns vom expliziten Ausführen des Mount-Befehls.
      Einstellungen zum gemeinsamen Ordner

Installation von Manjaro

Nach der Einrichtung der VM muss Manjaro Linux installiert werden.

  1. Die ISO Datei für Manjaro XFCE minimal von der Webseite herunterladen (ca. 800MB) und lokal speichern.
  2. In VirtualBox die neue VM auswählen und das Icon Start klicken.
    Icon Starten
  3. In der darauf folgenden Auswahl Medium für Start auswählen sollte die gerade gespeicherte ISO Datei gewählt werden.
    Icon Starten
  4. Es folgt das Bootmenü von Manjaro, in dem wir ein paar Einstellungen machen müssen:
    Bootmenü

    1. Mit den Cursortasten zu lang=en_US wechseln und mit der Eingabetaste zur Sprachauswahl gehen. Dort kann man dann Deutsch und dann lang=de_DE auswählen.
      Sprachauswahl im Bootmenü Sprachauswahl im Bootmenü
    2. Mit den Cursortasten zu keytable=us wechseln und mit der Eingabetaste zur Tastaturauswahl gehen. Dort kann man dann keytable=de wählen.
      Tastaturauswahl im Bootmenü
    3. Mit den Cursortasten zu tz=UTC wechseln und mit der Eingabetaste zur Zeitzonenauswahl gehen. Dort kann man dann Europe und dann Europe/Berlin auswählen.
      Zeitzonenauswahl im Bootmenü Zeitzonenauswahl im Bootmenü
    4. Mit den Cursortasten zu Boot: Manjaro wechseln und mit der Eingabetaste die Installationsversion starten.
      Installation im Bootmenü starten
  5. Nach dem Booten erscheint das Installationsprogramm.

    1. Zu Anfang klickt man auf Installer starten.
      Installer starten
    2. Die Spracheinstellung wird vom Bootmenü übernommen.
      Spracheinstellung im Installer
    3. Die Einstellung der Zeitzone wird auch vom Bootmenü übernommen.
      Zeitzoneneinstellung im Installer
    4. Die Tastatureinstellung werden auch vom Bootmenü übernommen.
      Tastatureinstellungen im Installer
    5. Bei der Partitionierung der Festplatte muss Festplatte löschen ausgewählt werden, bevor es Weiter geht.
      Festplattenpartitionierung im Installer
    6. Anschließend gibt man seinen Namen, seinen Benutzernamen, den Rechnernamen und sein Passwort ein. Die Option Automatisches Einloggen ohne Passwortabfrage ist ganz praktisch, weil das System nicht von mehreren Benutzern genutzt wird. Auch die Option Nutze das gleiche Passwort auch für das Administratorkonto sollte aktiviert werden, weil man sich dann nur ein Passwort merken muss.
      Benutzername und Passwort im Installer
    7. In der Zusammenfassung muss man dann die Eingaben noch zweimal bestätigen bevor die Installation beginnt.
      Zusammenfassung im Installer Bestätigung im Installer
    8. Nach der Installation muss der Rechner mit Jetzt Neustarten gebootet werden.
      Neustart im Installer
  6. Beim Neustart erscheint sofort wieder das Bootmenü des Installationsmediums. Bevor wir fortfahren, muss es ausgeworfen werden:

    1. Im Menü Geräte der VM im Untermenü Optische Laufwerke auf Medium entfernen klicken und ggf. den Rauswurf erzwingen.
      Installationsmedium entfernen
    2. Zum Neustart im Menü Maschine der VM auf Zurücksetzen klicken und nochmals bestätigen. Neustart durch die VM Neustart durch die VM

Anschließend startet Manjaro.

Einrichtung von Manjaro

  1. Das Willkommensprogramm kann man schließen – nicht ohne vorher die Option Beim Systemstart ausführen zu deaktivieren.
    Willkommensprogramm
  2. Als nächstes müssen die VirtualBox-Gasterweiterungen installiert werden:

    1. Zunächst muss über das Anwendungsmenü eine Konsole (Terminal) geöffnet werden.
      Terminal/Konsole öffnen
    2. Dann müssen die Gasterweiterungen über folgenden Befehl installiert werden:

      sudo pacman -S virtualbox-guest-utils
      

      Ein paar Nachfragen müssen noch bestätigt werden.

    3. Der Service für die Gasterweiterungen muss mit folgendem Befehl aktiviert werden:

      sudo systemctl enable vboxservice
      
    4. Das System sollte man danach über das Anwendungsmenü neustarten.
      Abmelden Neustarten
    5. Nach dem Neustart sollte sich die Desktopgröße an die Fenstergröße der VM anpassen.
    6. Als nächstes sollte Copy&Paste aktiviert werden. Dazu muss im Menü Geräte der VM unter Gemeinsame Zwischenablage der Punkt bidirektional ausgewählt werden.
      Gemeinsame Zwischenablage Dasselbe macht man mit Drag und Drop.
      Gemeinsame Zwischenablage
    7. Die gemeinsamen Ordner müssen noch eingerichtet werden. Dazu muss wieder eine Konsole geöffnet werden. Folgender Befehl macht das Verzeichnis /media für alle Benutzer lesbar:

      sudo chmod 755 /media
      

      Folgender Befehl fügt den Benutzer ulf der Gruppe vboxsf hinzu:

      sudo usermod -aG vboxsf ulf
      

      Damit kann der Benutzer ulf nach einem Neustart auf den gemeinsamen Ordner /media/sf_host zugreifen.

  3. In der VM brauchen wir keinen Bildschirmschoner. Zur Deaktivierung öffnen wir die Energieverwaltung bei den Einstellungen im Anwendungsmenü.
    Energieverwaltung im Anwendungsmenü
    Im Tab Bildschirm kann man die Bildschirmenergieverwaltung komplett aussschalten. Außerdem muss man den Regler für den Schwarzen Bildschirm auf Nie ziehen.
    Bildschirmenergieverwaltung in der Energieverwaltung
  4. Auf einem hochauflösendem Monitor (HiDPI) kann man noch etwas für seine Augen machen. Dazu wählt man in den Einstellungen unter Fensterverwaltung den Stil Default-hdpi.
    Stil der Fensterverwaltung Außerdem erhöht man unter Erscheinungsbild im Tab Schriften den Wert für DPI.
    DPI im Erscheinungsbild
  5. Um auch ohne grafische Oberfläche auf die VM zugreifen zu können, bietet es sich an, SSH zu konfigurieren.

    1. In einer Konsole (Terminal) muss die Einstellungsdatei geöffnet werden:

      sudo nano /etc/ssh/sshd_config
      

      Der Eintrag PasswordAuthentication muss aktiviert werden (# am Anfang entfernen) und auf no gesetzt werden. Mit strg-o werden die Änderungen gespeichert. Mit strg-x verlässt man Nano.

    2. Der folgende Befehl aktiviert den SSH Service:

      sudo systemctl enable sshd
      

      Der folgende Befehl startet den SSH Service auch gleich (ohne Neustart):

      sudo systemctl start sshd
      
    3. Mit den folgenden Befehlen wird ins Benutzerverzeichnis gewechselt und dort das Verzeichnis für die Schlüssel angelegt:

      cd ; mkdir .ssh ; chmod 700 .ssh
      

      Die folgenden Befehle legen die Datei mit den öffentlichen Schlüsseln an und beschränken den Zugriff darauf:

      cd ~/.ssh ; touch authorized_keys ; chmod 600 authorized_keys
      

      Mit

      nano ~/.ssh/authorized_keys
      

      lässt sich dann der öffentliche Schlüssel hinzufügen.

    4. Die aktuelle IP-Adresse der VM lässt sich einfach in einer Konsole (Terminal) herausfinden:

      ip addr
      

      Es bietet sich an, die Adresse im DHCP-Server des eigenen Routers fest einzustellen und in der Datei /etc/hosts bzw. %SystemRoot%\system32\drivers\etc\hosts unter Windows mit einem Namen verfügbar zu machen.

  6. Ein paar Programme zur Versionsverwaltung braucht man meistens sowieso. Sie lassen sich mit dem folgendem Befehl in der Konsole (Terminal) installieren:

    sudo pacman -S git svn
    
  7. Regelmäßig sollte das System der VM aktualisiert werden. Dies geht am einfachsten mit der grafischen Oberfläche, die man vom Anwendungsmenü direkt über Software hinzufügen/entfernen erreicht. Alternativ kann der Befehl

    sudo pacman -Syu
    

    in der Konsole (Terminal) ausgeführt werden.

Klonen der virtuellen Maschine

Mit diesem Basissystem kann man jetzt verschiedene Umgebungen aufsetzen. Es ist nicht verkehrt, die ursprüngliche VM als Ausgangspunkt zu behalten. VirtualBox erlaubt das Klonen von VMs. Dazu klickt man mit der rechten Maustaste auf die ausgeschaltete VM und klickt auf Klonen…. Neben einen neuen Namen sollte man auch neue MAC-Adressen an alle Netzwerkkarten zuweisen, damit man mehrere Klone parallel starten kann.

Klonen der VM Einstellungen zum Klonen der VM

Anschließend sollte man in einer Konsole (Terminal) der neuen VM den Rechnernamen ändern. Dies geschieht durch den Befehl

sudo hostnamectl set-hostname ulfserver

Die feste IP-Adresse und den Eintrag in der hosts Datei, muss man dann mit einer abweichenden IP-Adresse wiederholen.

Außerdem bietet es sich an, für jede geklonte VM ein anderes Hintergrundbild auszuwählen, damit man sofort sieht, welche VM gerade vor einem sichtbar ist. Dies kann man über Einstellungen und dann Schreibtisch machen.

Anpassung an NPM

Bei der Arbeit mit NPM gibt es das Problem, dass NPM im gemeinsamen Ordner von VirtualBox keine symbolischen Links anlegen kann. Um dies zu umgehen, muss man das Verzeichnis umbiegen auf eines, dass vollständig in der VM liegt. Dies geht logischerweise nicht mit einem symbolischen Link, den man normalerweise unter Linux dafür nehmen würde.

Stattdessen bindet man ein anderes Verzeichnis über den mount Befehl ein. Dazu öffnet man mit

sudo nano /etc/fstab

die Datei für zu ladende Dateisysteme. Ans Ende kommt folgende Zeile:

/home/ulf/node_modules /media/sf_host/project/node_modules none bind 0 0

Das Verzeichnis /home/ulf/node_modules muss dann noch erstellt werden. Mit dem Befehl

sudo mount -a

wird das Verzeichnis dann an der neuen Stelle (zusätzlich) eingebunden.

Dies kann auch manuell mit folgendem Befehl gemacht werden:

sudo mount -o bind /home/ulf/node_modules /media/sf_host/project/node_modules