Ulfs Blog

Wirtschaftspropaganda
13.3.2019, 17:00

Wirtschaftspropaganda

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Auf Telepolis kommentieren Matthias Weik und Marc Friedrich die erwartete Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank. Des öfteren vertreteten sie schon auf Telepolis einen Mix aus neoliberalem Wirtschaftsverständnis und vermeintlicher Ablehnung der neoliberalen Mainstreammedien.

Mit dem Geld der Aktionäre kann die Deutsche Bank das [umgehen] offensichtlich nicht. Allein in den letzten fünf Jahren ist der Aktienkurs um 85 Prozent auf 7,54 Euro in den Keller gerauscht.

Während sie ab und zu richtigerweise darauf hinweisen, dass Bankkunden kein »richtiges« Geld auf dem Bankkonto haben, sondern nur Forderungen an die Bank besitzen, bewerten die Autoren hier auf einmal Aktienkurse als Geld. Als ob Aktionäre einen Anspruch darauf hätten, für ihre Aktien (der DeutschenBank) beim Verkauf einen hohen Betrag zu erhalten.

Heute ist Deutschlands einstige Vorzeigebank längst kein Big Player mehr.
Wer aber bitte beabsichtigt eine Bank mit unzähligen anhängigen Verfahren und einem Derivatevolumen in Höhe von 48 Billionen Euro - das ist das 14-fache des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von Deutschland oder das 779-Fache des Eigenkapitals der Bank - zu erwerben?

Wie passt das zusammen? Kein Global Player mehr, aber das Derivatevolumen sprengt alle Dimensionen!

Während die Deutsche Bank nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, […]

Sagt wer? Nur weil der Aktienkurs derzeit deutlich niedriger als irgendwann mal ist? Dabei handelt es sich doch auch nur um eine Momentaufnahme.

Jetzt ist guter Rat teuer und man ist verzweifelt auf der Suche nach einem Dummen, der für die ganze Misere geradesteht.

Die Autoren deuten Schattenspiele an der Wand. Was aber, wenn es Interessen an einem niedrigen Kurs gäbe? Was, wenn die »fetten Boni« der Lohn für Investmenttätigkeit wäre, von der nicht die Deutsche Bank, aber Dritte profitieren?

Folglich muss ein anderer nützlicher Idiot gefunden werden, der für den Größenwahn der einstigen "Masters of the Universe" bitteschön die Rechnung bezahlt.

Vorhin noch das 14-fache des BIPs Deutschlands und jetzt fädelt Finanzminister Scholz eine Fusion ein, damit der Staat bezahlen muss? Wie soll das denn am Ende gehen?

Der SPD-Bundesfinanzminister Olaf Scholz will offenbar unbedingt eine Fusion zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank arrangieren. […] Es stellt sich nun aber die Frage, warum er das denn möchte.

Vielleicht ist Scholz auch einfach nur eine Marionette des Hamburger Geldadels (siehe Rettung der HSH) und will selbst eigentlich gar nichts, außer einen schönen Posten?

Spätestens in der nächsten Krise wird die Deutsche Bank Geld benötigen - viel Geld. Ist die Bank erstmal mit der Commerzbank fusioniert, ist der Staat und somit der Steuerzahler schon einmal mit einem Bein an Board.

Weiter oben stand, dass der Staat 15% Aktien an der Commerzbank hält. Nach einer Fusion dürfte der Anteil deutlich unter 10% liegen. Wenn die Riesenbank danach den Bach runter geht, dann verliert der Staat kein Geld (jedenfalls nicht direkt), weil er ja nur Aktien hält. Deren Wert ist dann weg, weil sich diese dann nicht mehr verkaufen lassen. Oder vielleicht doch? Für einen symbolischen und unterbewerteten Preis könnten die Anteile – wie damals die IKB – an Spekulanten verscheuert werden. Das wäre dann wenigstens ein Motiv.

Wenn es dann bei der nächsten Krise wieder ordentlich kracht und Deutschlands dann mit weitem Abstand größte Bank, an der der Steuerzahler ja bereits beteiligt ist, frisches Geld benötigt, ja dann wird im Zuge des alternativlosen "too big to fail" der Steuerzahler wieder einspringen und die Bank komplett verstaatlicht werden.

Die Deutsche Bank ist heute schon – oder immer noch?! – »too big to fail«! Dies gilt auch für die Commerzbank. Zusammen sind sie auch nicht »bigger to fail«, weil dies nicht steigerbar ist. Die Theorie der Autoren, warum es zu einer Fusion kommen wird, ist damit völlig wirr.

Aber das könnte auch Absicht sein: Immer wieder zielen Weik und Friedrich auf EZB und (in diesem Fall nur) auf die Bundesregierung. Nicht dass ich beiden Institutionen nicht eine Menge zutrauen würde. Aber es wird wohl doch eher verschleiert, dass es ein paar Spieler mehr gibt (z. B. Blackrock), die ebenfalls sehr mächtig sind und deren Interessen noch undurchsichtiger und in den meisten Fällen auch konträr denen der meisten Bürger sind. Davon abzulenken dient diese Propaganda gegen Scholz (den ich im Übrigen für zu blöd für solche Spielchen halte).