Ulfs Blog

27.4.2019, 16:30

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Nach seinem ersten Artikel über die Vermögensstatistiken betrachtet Jörg Gastmann auf Telepolis das Thema Zinsen. Insbesondere die Information, dass rund 95% der Deutschen im Leben mehr Zinsen zahlen als sie erhalten – und damit von niedrigen Zinsen profitieren(!) – sollten all jene lesen, die von Enteignung durch niedrige oder negative Zinsen reden.

Mit der Schlussfolgerung Gastmanns, dass Zinsen notwendig sind, bin ich nur insofern einverstanden, als dies zutrifft, wenn man sich im System Kapitalismus bewegt. Vielleicht geht er ja noch in einem weiteren Artikel darauf ein. Als nächstes soll aber wohl ein Vorschlag zur Eindämmung der Vermögensungleichheit kommen.

Dass dies alleine nicht reicht, schreibt Tomasz Konicz ebenfalls auf Telepolis. Die derzeitigen »sozialdemokratischen« Ansätze in Großbritannien (Corbyn), den USA (Sanders und Ocasio-Cortez) und teilweise bei uns (Enteignung von Wohnungskonzernen) setzen nur innerhalb des Kapitalismus an. Es geht nur um Verteilungsfragen innerhalb des Systems.

Konicz hat recht, dass dies zu wenig ist, weil der Profitzwang des Kapitals nicht adressiert wird. Wie er schreibt, sind die »sozialdemokratischen« Aktionen richtig und wichtig, aber nur, wenn man auch darauf hinweist, dass sie keine mittelfristige Lösung sein können, sondern nur dem zivilisierten Übergang in etwas Neues dienen. Dieser Hinweis fehlt im Allgemeinen aber.